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7 Irrtümer bei Migräne – und was wirklich stimmt

Mythen halten sich lange. Aber: Aufklärung hilft!

Doch gerade wenn es um Migräne geht, ist es wichtig, sich zu informieren und gängige Missverständnisse aufzuklären, damit Betroffene richtig und vor allem rechtzeitig handeln können.

Wir haben für Sie die sieben größten Mythen zusammengestellt und die Wahrheit dahinter ans Licht geholt.

Irrtum Nr. 1: Migräne sind doch nur Kopfschmerzen. So schlimm ist das nicht.

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht schon mal unter Spannungskopfschmerzen litt. Diese Schmerzen sind jedoch nicht mit Migräne vergleichbar. Sie haben eine geringere Intensität und sind leichter in den Griff zu bekommen. Bei der Migräne hingegen handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, deren Attackendauer bis zu 72 Stunden betragen kann.

Typische Merkmale sind Halbseitigkeit, pulsierende Schmerzen und Schmerzzunahme bei körperlicher Aktivität. Charakteristisch sind zudem vegetative Begleiterscheinungen wie Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen.

20 bis 30% der Patienten leiden zusätzlich unter einer Migräneaura mit neurologischen Ausfallerscheinungen.

Irrtum Nr. 2: Die Migräne fällt volkswirtschaftlich kaum ins Gewicht.

Migräne kostet Deutschland richtig Geld: Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsausfall und Behandlung betragen rund 3,7 Milliarden Euro. Davon werden geschätzte 250 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben für stationäre Entzugstherapien als Folge eines Übergebrauchs an Medikamenten, die gegen die Schmerzen eingenommen werden!

Irrtum Nr. 3: Die erfolgreiche medikamentöse Versorgung ist gesichert.

Mindestens acht Millionen Deutsche leiden an Migräne. Weniger als die Hälfte davon befindet sich in ärztlicher Behandlung, sondern nimmt stattdessen freiverkäufliche Schmerzmittel. Doch selbst wenn Migräne-Kranke zum Arzt gehen, können sie nicht sicher sein, dass sie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt werden, so der 1. Vorsitzende der MigräneLiga. Drei Viertel der Verordnungen sind nicht im Einklang mit den Therapie-Empfehlungen der Kopfschmerzexperten, belegen aktuelle Untersuchungen.

Irrtum Nr. 4: Bei beginnender Migräne abwarten, die Schmerzen können nachlassen.

Das ist falsch. Je länger man wartet, desto schwerer wird es, den Schmerzanfall positiv zu beeinflussen. Richtig ist, dass bei einer beginnenden Migräneattacke nicht zu lange gewartet, sondern frühzeitig ein Medikament genommen werden sollte. Bei leichten Migräneattacken kommen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen zum Einsatz. Bei schweren Schmerzanfällen sind die spezifischen Triptane die Mittel der Wahl.

Aber Vorsicht: Schmerz- und Migränemittel dürfen nur an 10 Tagen im Monat genommen werden, sonst droht ein durch Medikamente ausgelöster Dauerkopfschmerz.

Nr. 5: Anerkannte natürliche Therapien, die bei Migräne wirklich helfen, gibt es nicht.

Die ärztlichen Fachgesellschaften empfehlen bei mehr als zwei Migräneattacken pro Monat eine vorbeugende Behandlung, um die Zahl der Attacken zu senken und die Lebensqualität zu verbessern. Viele wissen nicht, dass in den offiziellen Leitlinien neben synthetischen Medikamenten wie Betablockern und Antidepressiva auch die Arzneipflanze Pestwurz offiziell zur Migränevorbeugung empfohlen wird. Weniger Migräneanfälle sind ebenfalls möglich durch natürliche, in Studien gut untersuchte Substanzen wie Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10 und Magnesium, die im Energiestoffwechsel des Gehirns eine wichtige Rolle spielen. Migränepatienten haben sehr häufig ein Defizit an diesen Stoffen, das einfach und gezielt ausgeglichen werden kann.

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Irrtum Nr. 6: Kinder haben keine Migräne.

Migräne bei Kindern äußerst sich oft unspezifisch zB mit Bauchweh
Auch Kinder können unter Migräne leiden

Natürlich können Kinder unter Migräne leiden. Der Kinderneurologe Dr. Raymund Pothmann, Hamburg, macht leider auch heute immer noch die Erfahrung, dass kindliche Kopfschmerzen selbst von Kinderärzten vielfach vernachlässigt und als Signal für Überforderung nicht ernst genug genommen werden.

Die kindliche Migräne ist oft unspezifischer als bei Erwachsenen und deshalb schwieriger zu diagnostizieren. So können sich die Schmerzen beispielsweise auch in den Bauch projizieren.

Migräne-Kinder leiden an einer Reizverarbeitungsstörung. Dadurch sind sie stressanfälliger: Schlafmangel, Streit, Junk Food, übermäßiges Fernsehen oder Videospiele führen dazu, dass das Gehirn sich im Rahmen einer Migräneattacke von den Stressüberträgerstoffen wie Dopamin und Noradrenalin befreit. In leichten Fällen hilft oft schon Schlaf, frische Luft oder Pfefferminzöl an Stirn und Nacken. Auch pflanzliche Mittel wie Pestwurz, sowie die Kombination Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bieten sich als gut verträgliche Behandlung an. Sinnvoll ist das Erlernen von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson.

Irrtum Nr. 7: Migräne-Patienten sind ganz allein auf sich gestellt.

Das stimmt heute glücklicherweise nicht mehr. Seit der Gründung der MigräneLiga vor über 15 Jahren hat sich die Situation der Patienten grundlegend verbessert. Die bundesweit tätige Selbsthilfeorganisation ist gesundheitspolitisch sehr aktiv und vertritt die Betroffenen in der Öffentlichkeit. Mit einem Jahresbeitrag von nur 22,- € erhalten Mitglieder regelmäßig das Migräne-Magazin mit aktuellen Neuigkeiten zum Thema Migräne und im Einzelfall auch persönliche Beratung.

„Das Herzstück unserer Arbeit ist die Gründung und Betreuung von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland“, so die MigräneLiga. „Denn unsere wichtigste Aufgabe ist die Aufklärung und die Hilfe zur Selbsthilfe. Mittlerweile existieren über 100 Selbsthilfegruppen, die von der MigräneLiga ins Leben gerufen und sehr aktiv unterstützt werden. Sogar in Österreich und Luxemburg gibt es Gruppen. Die Liga macht den Betroffenen Mut: „Geben Sie nicht auf, einen Weg zu finden, um besser mit Migräne zu leben. Die MigräneLiga hilft Ihnen dabei.“

Quelle: Migräne Liga e.V. Deutschland
Text: Maria Lohmann